Die Schwartauer Werke sind auf Trab
Wer regelmäßig Obst und Gemüse isst, beugt Herzkreislauferkrankungen vor. Welche sekundären Pflanzenstoffe es sind, die diesen Effekt haben, und wie sie in Kombination noch besser wirken, erforscht ein Kooperationsprojekt der Kieler Universität und der Schwartauer Werke.
Ziel ist es, einen Fruchtsaft zu entwickeln, der vor diesen Erkrankungen schützt. Das gemeinsame Forschungsprojekt von Wirtschaft und Wissenschaft unterstützt das HWT-Programm des Landes Schleswig-Holstein mit 120.000 Euro. Innovationen seien für die Zukunft der Schwartauer Werke bedeutsam, so Geschäftsführer Heinz von Kempen.
Nach einer Wachstumsschwäche im Jahr 2004 habe Schwartau eine Innovationsoffensive gestartet und ein Jahr später neue Konfitüren herausgebracht. „Das hat sich 2006 mit einem zweistelligen Umsatzwachstum niederschlagen.“ Auch für dieses Jahr rechnet von Kempen mit einem zweistelligen Wachstum. Grund sind unter anderem die neuen Fruchtsaft-Produkte, die seit einigen Monaten auf dem Markt sind: „Sie machen mittlerweile mehr als zehn Prozent des Umsatzes aus.“ In Zukunft wolle das Unternehmen stärker auf derartige Produkte bauen, gerade auf Saft mit Zusatznutzen: „Gesundheitsbezogene Themen rücken immer mehr in den Vordergrund.“ Deshalb sei das Projekt mit dem Kieler Institut für Humanernährung und Lebensmittelkunde so wichtig: „Als mittelständisches Unternehmen mit 800 Mitarbeitern ist die Zusammenarbeit mit externen Forschungsinstituten unerlässlich.“
In dem gemeinsamen Projekt gehe es darum, zu erforschen, wie der gesundheitliche Nutzen der etwa 100000 sekundären Pflanzenstoffe und Antioxidantien durch gezielte Kombination gesteigert werden kann, erläutert Gerald Rimbach, Direktor des Instituts für Lebensmittelkunde. „Der daraus zu entwickelnde Saft soll ein Beitrag zu der Empfehlung fünfmal am Tag Obst und Gemüse zu essen, sein“, so Rimbach. Studien hätten ergeben, dass ein Verzehr von hohen Mengen Obst und Gemüse Herzkreislaufkrankheiten (Todesursache Nummer eins in den Industrienationen) und Krebs (Todesursache Nummer zwei) vorbeugen kann. „Doch die Deutschen verzehren davon immer noch 350 Gramm zu wenig am Tag“, so Rimbach. Die funktionellen Lebensmittel seien ein Wachstumsmarkt, weltweit sei das Wachstum bei 15 bis 20 Prozent. „Mit dem neuen Saft erschließen sich den Schwartauer Werke neue Marktpotenziale“, erklärt der Wissenschaftler.
„Ein Highlight in Schleswig-Holsteins Forschungslandschaft“, sei das Projekt, befindet Hans-Jürgen Block von der Innovationsstiftung Schleswig-Holstein, die zusammen mit dem Wirtschaftsministerium an dem Förderprogramm HWT (Hochschule-Wirtschaft-Transfer) beteiligt ist. Die Ernährungsbranche werde oft unterschätzt. Dabei sei sie die zweitwichtigste Branche im Land, so Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU).
„Die schleswig-holsteinische Ernährungswirtschaft macht einen Umsatz von 5,5 Milliarden Euro im Jahr und beschäftigt 47000 Menschen.“ Das Branchenwachstum in 2006 habe 8,8 Prozent betragen. „Doch gerade in diesem sich schnell wandelnden Markt ist es wichtig, sich stets weiterzuentwickeln“, so Austermann und lobt das „Vorzeigeunternehmen Schwartauer Werke“. Wieso das Land ein starkes Unternehmen noch weiter fördert? „Es geht vor allem darum, die Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft zu unterstützen, die sonst nicht in dieser Form zustande gekommen wäre.“
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