Kölner Galerien drohen der Art Cologne

Es droht, wer drohen kann.
Nur so kann die letzte Drohung der 10 Galerien in Köln verstanden werden.

Die Drohung ist handfest und konkret. Die wichtigsten und marktmächtigsten Kölner Galerien drohen der Kölner Messegesellschaft mit dem Rückzug von der Art Cologne. In einem unverhüllten Ultimatum stellen die Galerien nicht weniger als zwölf Forderungen auf, an die sie die Bereitschaft zur weiteren Zusammenarbeit knüpfen, andernfalls „sind wir es unserem Ansehen und Geschäft schuldig, es vielen anderen wichtigen Galerien gleichzutun und in naher Zukunft auf eine Teilnahme an der Art Cologne gänzlich zu verzichten.“

So müsse die Art Cologne wieder „Chefsache“ werden, mehr Profil gewinnen und Priorität vor der Cologne Fine Art und der Art Cologne Mallorca erhalten. Die Messe bedürfe eines internationalen Galeriebeirats mit weitreichenden Entscheidungskompetenzen, müsse aber auch personell besser ausgestattet werden.

Dass die Galerien dabei in der Sprache des Krisenmanagements einen „Maßnahmenkatalog“, „Präzisierungen“, eine „qualifiziertere Betreuung“ und „gezieltere Akquise“ verlangen, deuten Beobachter als harsche Kritik an Gérard Goodrow, dem künstlerischen Direktor der Messe, und seinem bisherigen Führungsteam. Ob das Ultimatum zu Umdenken und Kompromissen führt oder ob der Bruch zwischen Galerien und Messe bereits endgültig ist und womöglich in Gegenprojekte wie in München mündet, scheint im Moment offen. Eine rasche und harmonische Einigung verheißt das Papier allerdings nicht.

Wie wäre es mit einer Wirtschaftsmediation?

Das artnet Magazin dokumentiert den offenen Brief vollständig im Wortlaut:

Die Art Cologne hat in den letzten Jahren einen herben Bedeutungsverlust erlitten.
Die Berufung eines künstlerischen Direktors (2003), die Entwicklung von Open Space (2005) und auch die Terminverlegung in das Frühjahr (2007) haben den Niedergang nicht entscheidend aufhalten können. Im Gegenteil: als Kölner Galerien, die wir ein zeitgenössisches Programm auf den internationalen Messen vertreten und sich um ihren Standort bemühen, ernten wir bei unseren internationalen Kolleginnen und Kollegen nur bedauernde Ablehnung, wenn wir versuchen, sie zu einer Teilnahme an der Art Cologne zu bewegen.

Mit dem Ausflug der Art Cologne nach Mallorca wurden uns die letzten Möglichkeiten einer glaubwürdigen Vertretung genommen. Statt sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren und den neuen Messetermin zu festigen, wurden Energien und Zeit mit dieser fragwürdigen Veranstaltung verschwendet. Nun folgt die Cologne Fine Art auf den Fuß. Es ist fahrlässig, dass seit der letzten Art Cologne im April 2007 keine Anstrengungen für eine verbesserte Art Cologne im kommenden Jahr unternommen wurden.

Mit unseren internationalen Kolleginnen und Kollegen vermissen wir ein schlüssiges Konzept und eine klare Positionierung der Art Cologne in einem dynamischen Kunst- und Messemarkt. Wir sind gemeinsam der Überzeugung, dass die Potenziale für eine international bedeutsame Kunstmesse in Köln nach wie vor gegeben sind. Allerdings erfordert dies endlich die Bereitschaft zur kritischen Bestandsaufnahme, eine Offenheit für externe Beratung und den Willen zur deutlichen Veränderung.

Die unterzeichneten Galerien fordern die Direktion der Koelnmesse auf, umgehend Maßnahmen einzuleiten, die geeignet sind, die Art Cologne wieder international konkurrenzfähig zu machen und ihr den Stellenwert zurückzuerobern, der ihrer Tradition und dem Kunststandort Köln gerecht wird. Die unterzeichneten Galerien sind im Rahmen eines überzeugenden Konzepts zu jeder Form der konstruktiven Zusammenarbeit bereit. Dies ist unser Angebot. Andernfalls sind wir es unserem Ansehen und Geschäft schuldig, es vielen anderen wichtigen Galerien gleichzutun und in naher Zukunft auf eine Teilnahme an der Art Cologne gänzlich zu verzichten.

Wir fordern im Grundsatz:
Die Art Cologne muss wieder „Chefsache“ werden und erste Priorität haben vor der Cologne Fine Art und der Art Cologne Mallorca.

Für die Art Cologne muss in Zusammenarbeit mit kompetenten, externen Beratern ein schlüssiges Gesamtkonzept entwickelt werden, das den veränderten Bedingungen des internationalen Kunstmarkts gerecht wird und auf diesem Markt ein klares und konkurrenzfähiges Profil der Art Cologne zeichnet.

Es muss ein internationaler Galerienbeirat etabliert werden, der mindestens alle sechs bis acht Wochen tagt und Einfluss nimmt auf die Gestaltung der Art Cologne.

Dafür muss das Team der Art Cologne innerhalb der Koelnmesse so aufgestellt werden, wie es dem Geschäftsfeld einer internationalen Kunstmesse entspricht und in personeller Hinsicht wie auch in seinen Kompetenzen und Mitteln angemessen ausgestattet werden.

Auf der Basis eines eindeutigen Profils muss ein Maßnahmenkatalog zur gezielten, qualitativen Verbesserung des Teilnehmerfeldes erarbeitet und umgesetzt werden.
 
Das aktuelle Teilnehmerfeld muss zugunsten einer sukzessiven Qualitätssteigerung weiter reduziert werden.

Den Umzug in neue Hallen und eine Aufplanung, die einer zeitgemäßen Präsentation gerecht werden. Dazu gehört eine Optimierung des gesamten Erscheinungsbilds – Werbemittel, Marketing, Ausstellungsarchitektur, VIP-Lounges, Gastronomie.

Eine Präzisierung der Veranstaltung durch eine klare Aufteilung der Bereiche der Klassischen Moderne, der etablierten zeitgenössischen Kunst. Der Open Space für aktuelle junge Positionen soll eine eigene Halle bekommen. Eine qualifizierte Betreuung der einzelnen Bereiche durch kompetente Mitarbeiter.

Die Galerien müssen wieder ins Zentrum der Messe gestellt werden. Auf Lückenfüller wie Sonderschauen, Institutionen, Vereine etc soll verzichtet werden. Stattdessen ist ein attraktives Rahmenprogramm in der Stadt kooperativ zu entwickeln.

Eine qualifizierte und nachhaltige Betreuung der Aussteller und der potentiellen Aussteller über das ganze Jahr zugunsten einer langfristigen Bindung an die Messe.

Eine gezielte Akquise von Sponsoren, die für junge/neue Messeteilnehmer attraktive Konditionen sichern.

Eine qualifizierte Besucherbetreuung und Entwicklung attraktiver Formate für internationale Kuratoren und Sammler.

Wir wünschen der Art Cologne und uns, dass dieser offene Brief, unser Angebot und unsere Forderungen als konstruktiv verstanden, aufgegriffen und umgesetzt werden für eine attraktive und erfolgreiche Art Cologne!

Mir fallen auf Anhieb 1-2 Kooperationspartner ein, mit denen ich sehr gerne dieses Projekt “betreuen” würde…
:-)


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