Selbstbewusst in Konfliktsituationen- Interview mit Bettina Stackelberg

Bettina Stackelberg Bettina Stackelberg ist die “Frau fürs Selbstbewusstsein”, Trainerin und Coach seit 1991 für die Themen Selbstbewusstsein, Kommunikation, Service Themen und work-life balance.
Ebenso ist sie die Autorin des Buches “Selbstbewusstsein. Das Trainingsbuch” und dieses Buch gab mir Anlass zu unserem Interview.

K.N.: Frau Stackelberg, was genau ist Selbstbewusstsein eigentlich?

B.S.: Wenn wir sagen „Der ist aber selbstbewusst!“, schwingt oft so etwas Unerreichbares, Erhabenes mit – so nach dem Motto „Der Beste, Erfolgreichste, die Schönste“ etc. Ich seh das ein wenig anders: Als sprachverliebte Germanistin mag ich das Wort in der eigentlichen Bedeutung: Sich seiner selbst bewusst sein. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn ich selbstbewusst bin, dann kenn ich mich mit mir aus – ich kenne meine Stärken, hab Frieden geschlossen mit meinen Schwächen und find mich einfach gut, ganz selbstverständlich – ich ruhe in mir. Mein Selbstbewusstsein zieht dann ganz natürlich auch Erfolg und Leichtigkeit an.

K.N.: Selbstbewusst in einer Konfliktsituation handeln, wie kann man das lernen?
B.S.: Im Satz „Selbstbewusst in einer Konfliktsituation handeln“ steckt das schöne Wort „handeln“ – ich kann also etwas tun, selbstbewusst meinen Teil zur Lösung beitragen, anstatt mich ausgeliefert zu fühlen. Ich habe immer die Wahl, etwas zu tun oder es zu lassen – immer!  Es ist selbstbewusst, sich und die Situation erstmal überhaupt aushalten zu können. Steh dazu, dass du dich gerade in einer Konfliktsituation befindest! Weiche nicht aus, rede nicht schön, schau nicht weg. Selbstbewusst zu handeln bedeutet dann für mich erstmal: Verstehen, dass ich ein Teil der Konfliktsituation bin – abschätzen, was ich tun kann und festlegen, welches Ziel ich verfolge. Möchte ich einfach nur gut dastehen? Nein, mit einem gesunden Selbstbewusstsein hab ich das nicht nötig – mir ist wirklich an einer echten Lösung des Konfliktes gelegen und ich kenne meinen Anteil am Konflikt. Und ich überschätze mich nicht: Ich weiss, wann ich nicht mehr weiterkomme – wann ich Hilfe von außen brauche.

K.N.: Gibt es aus Ihrer Sicht Unterschiede zwischen Männern und Frauen?
B.S.: Ja und nein – das machts grad so spannend! Es lässt sich natürlich nicht platt verallgemeinern – es gibt ‚so ne’ und solche! J Wichtig finde ich, da keinen Wettbewerb draus zu machen – es geht nicht darum, wer besser handelt, besser kommuniziert in einer Konfliktsituation! Wir können voneinander lernen. Frauen steht zur konstruktiven Konfliktlösung oft ihr Harmoniebedürfnis im Weg, Männern ihre Angst, das Gesicht und ihre Machtposition zu verlieren.

Frauen können also von Männern lernen, klar und eindeutig für sich einzustehen, auch mal anzuecken ohne übertriebene Angst vor Liebesentzug. Und Männer können lernen, dass „gut dastehen“ nicht alles ist – dass ihnen kein Zacken aus der Krone bricht, auch mal Fehler einzugestehen. Allerdings kenne ich auch Frauen, die zuviel Krallen zeigen und nicht loslassen, keine Niederlage eingestehen können. Und ich kenne Männer, die im Konflikt sofort den Kopf einziehen und weglaufen. Sie sehen also: Verallgemeinerungen funktionieren nicht.

K.N.: Eines meiner pesönlichen Lieblingsthemen ist “Klartext”, was bedeutet es für Sie? (Wie wird er richtig eingesetzt? Wie hört er sich an? Was ist das Ziel?)
B.S. Wenn ich selbstbewusst bin, scheue ich den Klartext nicht, weiss aber auch, wann er angebracht ist und wann nicht. Ich bin mir bewusst, dass Klartext um jeden Preis auch mal destruktives Gepoltere sein kann oder schlichtweg ungeschickt für meine Strategie. Klartext ist wichtig, um Dinge auf den Punkt zu bringen und vor allem, um mühsame Kommunikations-Umwege abzukürzen. Vor lauter „ich möchte nicht auffallen und mich nicht unbeliebt machen“ packen Menschen manchmal derart viel Watte und rosa Schleifchen um ihre Forderungen oder Unmutsäußerungen, dass man nix mehr sieht davon.
Dann wird ewig lang auf der vermeintlichen Sachebene herumdiskutiert, ohne auf den eigentlichen Kern des Problems zu kommen.

Also: Klartext kürzt ab auf dem Weg zum Ziel!
Dann muss das Ziel aber auch wirklich die Konfliktlösung sein und nicht eigentlich die Selbstbeweihräucherung, die Harmonie-um-jeden-Preis und ähnliches! Klartext kann ohne Angriff und Vorwurf funktionieren – eben einfach nur Klartext: Offen, ehrlich, bedacht formuliert. Statt „Duhuu, also, gestern, da war so ne Situation, also da hab ich so ein bisschen, wie soll ich sagen, nicht falsch verstehen, aber….!“ ein beherztes „Gestern in der Teamsitzung hab ich mich über dich geärgert, weil… und deshalb wünsch ich mir für die Zukunft…!“

K.N.: Viele Menschen ertragen nur schlecht, dass sie mit “Klartext” nicht “everbodys Darling” sind, was raten Sie diesen Menschen?
B.S.: Mit gesundem Selbstbewusstsein steht der Wunsch, everybodys darling zu sein, nicht im Mittelpunkt meines Denkens und Handelns. Ich weiss nicht nur vom Kopf her, dass es auch gar nicht möglich ist, allen zu gefallen. Ich spüre auch, dass ich es nicht brauche: Ich kenn mich selbst gut genug, um mich entweder richtig gut zu finden oder um an mir zu arbeiten. Die Meinung der anderen ist oft hilfreiches feedback, interessanter Spiegel, eine Möglichkeit, das Bild über mich zu vervollständigen – mehr nicht.

Mein Tipp: Gehen Sie spielerisch damit um! Probieren Sie es doch einfach mal aus, ob Sie mit konträrer Meinung wirklich gleich so anecken, wie Sie es befürchten! Wir blockieren unsere Energie und unseren Mut oft mit völlig sinnlosen Befürchtungen àla „Puh, dann mag der mich bestimmt nicht mehr!“: Wer sagt das? Wo ist das bewiesen schwarz auf weiss? Das existiert oft nur als Glaubenssatz in unserem Kopf – ich bin der Überzeugung, dass ich brav und unauffällig sein muss, um von allen gemocht zu werden. Überlegen Sie doch mal: Mögen Sie selbst nur Menschen, die brav und unauffällig und angepasst sind!? Nein? Eben! :-)
Es kann richtig erleichternd sein und auch Spaß machen, nicht von allen geliebt zu werden, nicht immer im Strom mitzuschwimmen – glauben Sie mir!

K.N.: In Ihrem Trainingsbuch geben Sie sehr viele konkrete Tipps, verraten Sie zu uns Ihre Lieblingsübung?
B.S.: Stimmt, im Buch gibt’s über 20 Übungen und Nachdenk-Angebote. Wenn ich mich für eine Übung entscheiden muss, dann nehme ich gerne die Wunderfrage! Ich habe sie kennen- und schätzen gelernt während meiner Familientherapie Ausbildung, sie geht auf Steve de Shazer zurück, Gründer der lösungsfokussierten Kurzzeit-Therapie. Mit dieser Wunderfrage sehe ich, was alles möglich ist und ich entdecke, dass ich alle Lösungen schon in mir trage:
Sorgen Sie dafür, dass Sie ungestört sind und setzen Sie sich bequem hin. Schließen Sie die Augen, atmen Sie tief durch und werden Sie ruhiger und ruhiger.
Ich möchte Ihnen jetzt eine ungewöhnliche Frage stellen.

Stellen Sie sich vor, Sie legen sich heute Abend ins Bett und schlafen ein.
Und während Sie heute Nacht schlafen und es ganz ruhig ist, geschieht ein Wunder. Das Wunder besteht darin, dass Ihr Problem mit dem Selbstbewusstsein gelöst ist. Sie sind auf einmal genau so selbstbewusst, wie Sie es sich wünschen. Allerdings wissen Sie nicht, dass das Wunder geschehen ist, weil Sie ja schlafen. Wenn Sie also morgen früh aufwachen, was wird dann anders sein? Woran merken Sie, dass Sie plötzlich selbstbewusst sind? Und woran merken Sie es außerdem? Was hat sich verändert? Spüren Sie es vielleicht sogar körperlich – wenn ja, woran (vielleicht hat sich Ihre Atmung verändert oder Ihre Haltung)? Achten Sie auf jede Kleinigkeit – spüren Sie ganz genau hin. Würde es noch jemand außer Ihnen bemerken – wenn ja, woran? Machen Sie sich anschließend zu dieser Übung Notizen.

K.N.: Ich seh uns schon heute alle in den Betten liegen.. :-) Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg für Sie und Ihr Buch! :-)

Kirstin Nickelsen am 06.04.2009 in
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  1. Eine Rezension des Buches lesen Sie u.a. hier
    http://www.kerstin-hoffmann.de/pr-doktor/2009/04/08/buchrezension-selbstbewusstsein-das-trainingsbuch/

  2. Kirstin Nickelsen am 08.04.2009 um 11:11 AM

  3. Ein tolles Interview, das mich in vielen Aspekten, schon ohne das eigentliche Buch gelesen zu haben, weiterbringen wird.
    Da liegt es natürlich nahe, sich das Buch zuzulegen.
    Vielen Dank!

  4. susanne am 22.04.2009 um 09:01 AM

  5. Auch für mich liegt es nahe dieses Buch zu kaufen. Ich denke es wird mich bei den Auseiandersetzungen in Job und Business stärken.

  6. Dirk am 26.04.2009 um 03:57 PM

  7. Nur mal ein kurzer Hinweis: Selbstverständlich ist dieses Buch nicht nur an Frauen gerichtet! :-)

  8. Kirstin Nickelsen am 15.06.2009 um 02:33 PM

  9. Wer mag, kann sich hier ein Radiointerview mit Bettina Stackelberg anhören
    http://download.radioeins.de/mp3/_programm/8/20090721_leben.mp3

  10. Kirstin Nickelsen am 21.07.2009 um 04:05 PM
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