Skibbe geht. Das Team bleibt!
Mit Michael Skibbe wurde heute der sechste Trainer in der Saison 2007/2008 entlassen.
“Aufgrund der letzten Bundesliga-Resultate und des verpassten Saisonziels UEFA-Cup entschlossen wir uns, die sofortige Trennung von Michael Skibbe vorzunehmen”, erklärte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser dazu.
Nun frag ich mich und Sie:
Was können andere Unternehmen von der Bundesliga lernen?
Der Trainer wird entlassen, das Team bleibt!
1. Würden wir dieses Modell auf weitere Unternehmen übertragen, wie viele Millionen von Euros würden eingespart werden,
denkt man nur an die Fluktuationskosten!?
2. Warum wird in den meisten Unternehmen zunächst das Team ausgewechselt, bevor man über eine neue Führung nachdenkt?
3. Gibt es in den Unternehmen ausreichend Ziele, an denen man Führungskräfte messen kann?
Fragen über Fragen.
Wie ist Ihre Position?
Guten Abend allerseits, guten Abend Frau Nickelsen!
Zunächst müssten wir uns fragen, wer in einem Unternehmen eigentlich das Pendant zum Trainer ist. Das wäre z.B. bei der Deutschen Telekom ja nicht etwa der Herr Obermann. Der ist ja eher sowas wie der Präsident des ganzen Vereins. Und der Präsident ist es ja meist, der den Trainer entlässt. Wer also ist der Trainer?
Ist der Trainer überhaupt “Führung” im Sinne Ihrer Frage 2.? Ich denke, das ist nicht der Fall. Der Trainer ist ein Angestellter wie die Spieler, lediglich mit einem erweiterten Verantwortungsbereich, weil er für dafür zuständig ist, dass die Spieler bestmöglich eingesetzt werden und ihre Leistung abrufen. So eine Position gibt es in Unternehmen in dieser Form gar nicht. Der Trainer ist so ein Mittelding aus Leitendem Angestellten und einem institutionaliserten Sündenbock für den Fall, dass etwas dauerhaft schief läuft.
Letzterer Funktion kommt gerade beim Profifußball eine erhebliche Rolle zu, fürchte ich. Das hat was Reinigendes, wenn man irgendjemanden rausschmeißt. Und da ist der Trainer einfach am ehesten zu entbehren.
Ich glaube also nicht, dass man das Modell des Profi-Vereins überhaupt auf Unternehmen übertragen kann. Der Profi-Verein ist ein Unternehmen eigener Art, “sui generis”, wenn Sie es Lateinisch mögen.
Die eigentliche Führung wird übrigens in Fußballvereinen genauso selten ausgewechselt wie in der übrigen Wirtschaft auch. Oder können Sie sich anders erklären, warum Herr Schnusenberg bei Schalke 04 da immer noch sitzt, während Herr Slomka, der immerhin für einigen Erfolg verantwortlich war, gefeuert wurde? Warum das so ist? Das ist wohl einfach eine Frage der Machtverhältnisse. Und der Eitelkeit.
Die Leistung von Führungskräften wird in der Regel gar nicht gemessen oder wenn, dann an völlig irrelevanten Parametern. Die kurze Antwort auf Frage 3 ist also “nein”.
Das war es in Kürze, was mir zu Ihren Fragen einfällt.
Beste Grüße
Christoph Nebgen
Lieber Herr Nebgen,
ganz außerordentlich freue ich mich, von Ihnen zu lesen, schreiben Sie doch bitte öfter!:-)Zu 2: Ja, mir ist sehr wohl klar, dass es hier um das mittlere Management geht, eher noch eine Stufe niedriger,in Unternehmen wird vor der Führungskraft jedoch erst das Team gewechselt.
Im Laufe des Tages kam mir eine weitere Frage:
Warum verdienen Trainer weniger als die Spieler?Fragen über Fragen, immer noch!:-))
Viele Grüße,
Kirstin NickelsenUnd wenn jmd. wirklich an Fußball interessiert ist, hier bittet man um rege Teilnahme:
http://www.violapersempre.at/umfrage_index.php:-)
Hallo Frau Nickelsen, Herr Nebgen, und Alle,
Die Fragen sind interessant. Es ist schwierig zu sagen, wie weit Sport und Geschäft ähnlich sind, aber sicherlich können beide von dem anderen lernen.
Ich glaube, dass ein Fußballtrainer doch in einer gewissen Sinne Führungskraft ist: er weiß, wie viel Geld zur Verfügung steht, soll Spieler einstellen, und aus diesen Spielern eine Mannschaft bilden. Er hat Macht gegenüber den Spielern und Verantwortung gegenüber den „höheren“ Managern.
Und ja, oft hat er die Rolle des Sündenbocks. Aber wenn eine Mannschaft nicht effektiv zusammenarbeiten und die erwartete Leistung nicht bringen kann, gibt es immer mehrere Ursachen. Und es ist einfach billiger, den Trainer zu wechseln, als die ganze Mannschaft.
Diese sind natürlich nur allgemeine Aussagen: jede Firma und jede Mannschaft hat ihre Spezialitäten. Und wenn der Lieblingsspieler des Präsidenten unbedingt 90 Minuten auf dem Feld verbringen muss, ist es nicht ganz korrekt, im Falle einer schlechten Leistung den Trainer zur Verantwortung zu ziehen.Viele Grüße:
Réka Anna Horváth
Guten Tag Frau Horváth,
Sie schrieben:Und es ist einfach billiger, den Trainer zu wechseln, als die ganze Mannschaft.
Ja, eben!:-)
Wäre es nicht “auch” ein Grund, dieses Verfahren in Unternehmen einzuführen?
Allein die Fluktuationskosten könnten so gesenkt werden, selbst wenn man bedenkt, dass in den meisten Unternehmen die Führungskräfte mehr Gehalt bekommen als ihre Mitarbeiter.Mein aktuelles Fazit:
In den meisten Unternehmen werden nicht die Führungskräfte zur Verantwortung gezogen, sondern deren Mitarbeiter.Merkwürdig?
Viele Grüße aus Hamburg
Kirstin NickelsenHallo Frau Nickelsen,
wir können lernen, dass eine klare Zielausrichtung wichtig ist. Aber, um das vorwegzunehmen, ist das bei Unternehmen nicht ganz so einfach, da i.d.R. viele Teams viele verschiedene Ziele im Visier haben und diese vielen Ziele dann noch zum großen Ganzen zusammengeführt werden müssen (...). Also viele Bälle, viele Tore und dann noch zur richtigen Zeit in das entsprechende Tor geschossen…
11 Spieler, ein Ball, ein Tor - das ist überschaubarer!
Dieses Modell auf Unternehmen übertragen, würde ja bedeuten, dass in jedem Team nur die Besten wären (wenn wir vom Profifußball ausgehen). Welche Abteilung wird schon so besetzt?
Aber wenn dem so wäre, dann sehe ich es auch wie beim Fußball: wenn die Ziele nicht erreicht werden, dann sollte der Trainer gehen! Das würde nicht nur Geld sparen, sondern auch viel Zeit, die bei hoher Fluktuation für das erneute “gut aufstellen” des Teams benötigt wird.
Das Team wird meiner Auffassung nach häufiger ausgewechselt, da man “Schuldige” sucht, ohne die eigenen Fehlentscheidungen preis geben zu müssen - welche hohe Führungskraft stellt sich denn bei der Pressekonferenz hin und sagt… mein Fehler?
Zu den Zielen in Unternehmen möchte ich auf die vielen Tore und Bälle zurückkommen: Beim Fußball ist die Sache klar: Tabelle, Saison, jeder Spieltag die Überprüfung der Ziele!
Bei Unternehmen spielen i.d.R. viele Faktoren eine Rolle und die Zielerreichung hängt u.a. auch von anderen Mannschaften (innerhalb der Firma) ab - insofern würde ich die Frage mit Nein beantworten.
Eine Zielsetzung im Sinne von, “wir sehen jede Woche, wo wir stehen”, wäre sehr sinnvoll, um die Aufstellung und Strategie entsprechend schnell ändern zu können.
Viele Grüße aus Kassel,
Alexander Rausch
@Herr Rausch,
Die Ziele eines Unternehmens, und besonders einer gewissen Mannschaft innerhalb einer Firma, sind tatsächlich komplexer, als bei einer Fußballmannschaft. Es hängt aber auch vom aktuellen Organigramm ab. Ein Unternehmen kann bewusst danach streben, Mannschaften, Projektteams, die sich mindestens für Teile der eigenen Leistung verantworten können, zu bilden.„Dieses Modell auf Unternehmen übertragen, würde ja bedeuten, dass in jedem Team nur die Besten wären (wenn wir vom Profifußball ausgehen).“
Damit bin ich nicht einverstanden. In der Mehrheit von Profimannschaften gibt es sowohl ausgezeichnete, als auch nicht so gute Spieler, stärkere und schwächere Punkte. Wir haben schon einige Mannschaften gesehen, die aus berühmten und teuren Spieler bestanden, aber als Mannschaft nicht funktionieren konnten. (Sowohl Real Madrid, als auch Barcelona hatte solche Teams in diesem Jahrzehnt.) Andererseits können wir die griechische Nationalmannschaft erwähnen, die vor 4 Jahren die EM gewonnen hat. Und auch den Trainer Otto Rehhagel, der eine große Rolle im Sieg spielte.
In diesem Bereich sehe ich lieber eine Parallelität: ein guter Trainer / Chef kann aus nicht so fantastischen Spielern / Mitarbeitern eine super funktionierende Mannschaft bilden.Hallo zusammen! :-)
Herr Rausch, Sie schriebenwir können lernen, dass eine klare Zielausrichtung wichtig ist.
Ja. Und nun mal unter uns:
Das ist ja nicht eben erst von Ihnen erfunden worden!:-)
Warum tun sich Unternehmen so unglaublich schwer damit, Visionen/Ziele zu haben, zu verfolgen, sie klar zu kommunizieren und sie dann in kleinen “Stückchen” an die jeweiligen Teams/Abteilungen zu delegieren?Und irgendwie ahne ich, dass Sie eine Lösung mir anbieten werden.
Richtig? :-)Viele Grüße an Sie,
Kirstin NickelsenHallo Frau Horváth,
ein guter Trainer / Chef kann aus nicht so fantastischen Spielern / Mitarbeitern eine super funktionierende Mannschaft bilden.
Ja, das ist so. Wer will schon eine Mannschaft mit lauter Alpha Tieren oder Machern oder “Kategorie xy”. Erst heute wurde ich erinnert an: Es gibt keine Fehler, nur Eigenschaften.
Daher: Viele unterschiedliche Eigenschaften im Team erhalten dieses lebendig… aber wer glaubt, dass lebendig immer “leicht” ist, der täuscht!:-)
Viele Grüße
Kirstin NickelsenGuten Abend in der Fußballwelt,
erwischt! Ich dachte ich könnte mal etwas Neues bringen ;-))
Meine Erfahrung ist nicht die, dass es Unternehmer oder Führungskräfte (...) schwer damit haben Ziele/Visionen zu formulieren - aber, wie sie es tun und dann damit umgehen, da sehe ich schon Unterschiede!
Ein Ziel ausgerufen heißt ja noch nicht, dass ein Team oder Unternehmen sofort in die gewünschte Richtung “läuft”.
Ziele werden ausgerufen und/oder weiterdelegiert - und das wars dann häufig auch schon. Und dann wird sich gewundert, warum die Ziele nicht erreicht wurden, die Teams nicht funktionieren usw. usf.
Ich bin zwar kein Profisportkenner, aber die WM 2006 hat uns doch gezeigt wie es geht. Herr Klinsmann hatte Visionen und Ziele und er hat es geschafft diese auch mit seinem Team zu erreichen!
Er war bei seinem Team, hat sie motiviert, trainiert, unterstützt, ist neue Wege gegangen usw. - welcher “Ziele und Visionsausrufer” tut das denn im Unternehmen mit seinem Team?
Da wird gesagt, das ist unsere Zielvorgabe, los macht mal… und wenn nicht dann gibt es Entlassungen… und immer schön motiviert bei der Sache bitteschön ;-))
Das wäre ein Aspekt, dann gibt es noch den der klaren Zielausrichtung generell.
Ich denke schon, dass viele Menschen (in unserem Fall die angesprochene Zielgruppe) Ziele und Visionen haben, aber in meiner täglichen Arbeit sehe ich auch, wie schwer es für den Einzelnen ist (da nehme ich mich nicht aus), diese auch wirklich konsequent im täglichen “Überall” auch umzusetzen, zu verfolgen (...).
Also ich kann Ihnen nicht die Lösung anbieten, aber einige Ideen hätte ich schon ;-))
Einen schönen Abend!
Alexander Rausch
Übrigens, hier die nächste Frage:
Warum gibt es in der Bundesliga keine TrainerIN?
Während Sie nachdenken, mache ich schon mal meine Bewerbungsunterlagen fertig!:-))Viele Grüße
Kirstin NickelsenWeitere Punkte:
Motivation!Kennt jmd. die Fluktuation in Fußballmannschaften? Gering, oder?
Warum?
1. Welche Bindungsmaßnahmen haben diese Vereine?2. Wie kann man den wöchentlichen Wettbewerb der Liga auf den Rest der Wirtschaft übertragen? Geht das?
Denken wir mir mal quer und krumm..
:-)
Guten Abend in der Sportschau,
die Frage nach einer Trainerin ist gut - wenn Sie die Bewerbungsunterlagen gut vorbereiten sehe ich da Möglichkeiten für Sie ;-)
Die Fluktuation ist nach meinen Vorstellungen eher gering wegen der Zeitverträge.(?)
Wenn wir uns vorstellen auch normale Arbeitsverträge wären immer auf Zeit… Stellen sie sich vor, wie viele Menschen ihren Vertrag nicht erneuert bekämen - von daher lieber nicht übertragen, hier sehe ich keine Lösung...(Nutzen)
Beim Thema der Bindung sehe ich schon positive Übertragungsmomente: Jetzt bin ich mir leider nicht sicher welchen Verein ich nennen “darf” ;-)), aber MitarbeiterInnen an eine positiv ausgerichtete Firma zu binden, finde ich eine super Möglichkeit!
Wenn die Firma ein gutes Image hat (aus welchen Gründen auch immer), dieses auch lebt, dann kann ich mir sehr gut vorstellen, dass Mitarbeiter gerne zur Arbeit kommen, gerne all ihre Ressourcen zur Verfügung stellen und schlicht und ergreifend einen guten Job machen!
Was denken sie wieviel Schaden entsteht, weil Mitarbeiter schlecht auf den Arbeitgeber zu sprechen sind und entsprechende Leistung erbringen...?Bindung, Identifikation u.a.m. wird in Zukunft eine weit größere Rolle spielen. Ein Beispiel dafür ist z.B. Google in Zürich, die ihren Mitarbeitern einen “Arbeitsspielplatz” hingestellt haben…
Den wöchentlichen Wettbewerb könnten wir insofern übertragen, indem wir am Ende der Woche die Fouls, gelben und roten Karten, Verletzungen, Abseits, Tore usw. zählen würden und somit ein gutes Feedback über unseren Weg zum Ziel erhalten würden…
Wir könnten dann für die nächste Woche eine andere Aufstellung machen, das Mittelfeld stärken, oder was auch immer erforderlich ist, um weiterhin auf den vorderen Plätzen präsent zu sein…
Also 1:1 übertragen ist wohl nicht ganz möglich, aber ob Fußball oder Wirtschaft - es geht doch darum ein gutes Spiel zu machen und möglichst weit vorne mit dabei zu sein…
Aus der Sportredaktion
Alexander Rausch
Schönen Sonntag, Frau Nickelsen, schönen Sonntag allerseits!
Warum es keine weiblichen Trainer in der Bundesliga gibt, kann ich Ihnen sagen: Bundesliga ist für Kerls!
Für die Frauen gibt es ja eine Frauenbundesliga. Aber der wahre Grund ist natürlich: Mädchen dürfen nicht in die Jungsumkleidekabine!
Übrigens: Es gibt einen weibliche Schiedsrichter in der Kerls-Bundesliga, Bibiana Steinhaus. Die darf auch nicht in die Umkleidekabine, aber bei der macht das nichts. Der einzige Schiedsrichter, der je in einer Umkleidekabine war, ist Robert Hoyzer. Und wie das geendet hat, weiß man ja.
Und die Fluktuation bei Fußballteams nimmt stark zu. Das hat wohl was mit Professionalisierung zu tun. Da langfristige Bindungsstrategien zu entwickeln, rentiert sich für Vereine nicht. Die wissen ja gar nicht, welche Spieler sie in drei Jahren noch haben wollen.
Und last but not least: Trainer verdienen gar nicht unbedingt weniger als Spieler. Der neue HSV-Trainer z. B. kriegt zwei Millionen im Jahr.
Vor-eropameisterschaftliche Grüße,
Christoph Nebgen
Hallo zusammen,
nur ganz schnell von mir:
Es gibt eine Trainerin, die gerade ihren Schein in FFM macht, da kommt also Bewegung ins Spiel!:-)Viele Grüße
Kirstin NickelsenHier ein interessantes Interview zum Thema “Trainer und Burn Out”
http://sport.ard.de/sp/fussball/news200810/30/interview_nawrath.jsp.. und nun ersetzen wir einfach den Namen “Skibbe” durch “Klinsmann” und schon ist die Diskussion wieder aktuell?!
:-)
Kirstin Nickelsen
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