Wünsche oder Erwartungen?
Kennen Sie solche Sätze, wie z.B.:
“Nie kommen Sie pünktlich zu den Terminen!”
“Ihre Präsentationen sind nie wirklich gut.”
“Sie kümmern sich nicht um die E-Mail Anfragen.”
Vorwürfe, die viele Menschen aus ihrem beruflichen Umfeld kennen, sei es, dass sie solche hören, oder selbst sagen, sind u.U. eine furchtbare Taktik, um sein Gegenüber in eine Position der Rechtfertigung zu drängen, was besonders in Konfliktsituationen nie besonders klug ist oder aber schlicht, die Unfähigkeit zu sagen, was “hinter” den Vorwürfen steht.
Martin Haberzettl sagt:
Vorwürfe sind schlecht formulierte Wünsche
Jein, denn im beruflichen Umfeld ergänze ich mit:
... und meistens sind Wünsche: Erwartungen!
Ich höre häufig folgende Sätze:
“Ich wünsche mir von meinem Kollegen, dass...”
“Ich wünsche mir von meinem Vorgesetzen, dass...”
Am Ende wundern sich die Beteiligten, dass es Menschen gibt, die sich nicht als “Wunscherfüllungsgehilfen” sehen und der Wunsch bleibt ein Wunsch, mehr nicht, wird nicht erfüllt, warum auch, es ist schließlich nur ein Wunsch.
Im Rahmen einer Wirtschaftsmediation fordere ich Klartext und der kann heißen:
Machen Sie klar, was Sie erwarten!
“Erwartungen” ist ein Wort, dass Sie sich in Ihrem privaten Umfeld gut überlegen sollten:-), im beruflichen hingegen gibt es solche:
Sie erwarten von Ihren Mitarbeitern, dass sie…
Sie erwarten von Ihrem Kollegen, dass Sie informiert werden, wenn..
Sie erwarten, dass Ihr Vorgesetzter Sie in die Vorgänge A, B, C mit einbezieht
Ja, stimmt: Das Wort “Erwartungen” ist ein nicht sehr charmantes, doch es gibt Situationen, in denen Klarheit notwendig ist.
Erwartungen stecken auch einen Mindestrahmen ab, der notwendig ist, um weiterhin zusammen zu arbeiten.
Und ich wünsche mir nun zahlreiche Kommentare!
Aber ich erwarte sie nicht!
Guten Morgen!
Das waren spannende Zeilen - danke dafür. In der Tat, wenn ichs recht bedenke: Eine wichtige Unterscheidung.
Ich erinnere mich an eine Supervision in einem KiTa Team - nur Frauen plus Sozialbereich: Eigentlich eine Kombination, wo das “ich wünsch mir von dir...” schon manchmal angebracht ist. Das hatten in einer Fortbildung die Erzieherinnen auch gelernt und formulierten also auf diese Weise ihre Wünsche/Erwartungen an die Leitung. Diese hörte sich das an, war kurz ruhig und entgegnete dann aufgebracht:
“Weihnachten war schon!” - und dann stellte sich im guten langen Gespräch danach heraus, dass der Leitung dieses weichgespülte “Du bist ja eine von uns, du gehörst zum Team, du bist ja eigentlich gar nicht Chefin!” mächtig auf die Nerven ging.
Es verunsicherte sie, es verwässerte ihre Rolle total und verhinderte.....ja genau, den Klartext.
Chef ist Chef ist Chef.... da beisst die Maus keinen Faden ab. Und der bzw. die wünscht sich nicht, sondern erwartet. Und deren Mitarbeiterinnen dürfen auch erwarten.
Danach klappte es sehr viel besser im Team - in Supervisionen kamen die Damen viel schneller auf den Punkt und wir konnten uns zahlreiche Umwegs-Weichspül-Schleifen sparen! :-))Herzlichst, Bettina Stackelberg
Ein herzliches Moin,
Klartext ist eine der wichtigsten Fremdsprachen, auch wenn sie zu wenig gelernt und gesprochen wird. Werden Erwartungen nicht erfüllt, sind wir natürlich ent-täuscht. Das heisst im Klartext: Wir unterliegen dieser Täuschung nicht mehr, sind um eine Erfahrung reicher.
Wünsche machen abhängig von anderen. Klare Erwartungen und die Fähigkeit, diese zu kommunizieren lassen nur gewinnen. Egal, ob die Erwartungen erfüllt werden oder nicht.
Herzliche Grüße
Martin Lennartz
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