Kategorie: Emotionen im Beruf
Sonntag, 03. Februar 2008
2 Schuhe sind ein Paar!
Die Situation:
Unternehmen A und B starten ein Projekt. Begleitet werden sie durch eine Unternehmensberatung, Rechtsanwälte und nach einiger Zeit der Konflikte nun auch noch durch mich, allerdings erst am 2. Verhandlungstag. 9 Unternehmensberater, 5 Rechtsanwälte zzgl. 2 Unternehmen, die durch insgesamt 14 Menschen vertreten wurden, machte in Summe: 28 Männer. Und ich.
Der Unternehmensberater eröffnete den 2. Tag der Verhandlung u.a. mit folgenden Worten:
“[...] Meine Herren, soweit das Fazit unseres gestrigen Tages. Lassen Sie uns heute ein konstruktives Ende finden, Ihre Emotionen haben Sie hoffentlich bei Ihren Frauen gelassen!”
Die 28 Herren lachten. Noch.
Die Stimmung wurde von Minute zu Minute spürbar angespannter, die Luft dünner, die ersten Spitzen wurden verteilt, die nächsten ließen nicht lange auf sich warten und es kam was kommen “musste”: Die Lager teilten sich zunehmend weiter auf.
Es gibt diese Momente, in denen man einfach zur Tat schreitet. Da steht man ein Stückchen neben sich und kann sich selbst nicht mehr schnell genug stoppen. Und so hatte ich das Vergnügen, mich dabei zu beobachten, wie ich aufstand, mein Sakko auszog, über den Stuhl legte und sagte:
“Es ist jetzt 11:26 Uhr. Um 13.00 Uhr sollten Sie alle wieder hier sein.”
Die Männer sahen mich an, bis nach gefühlten 29 Minuten endlich einer fragte “Was sollen wir machen?”, denn nur so konnte ich antworten:
“Fahren Sie heim und holen Ihre Emotionen, wir brauchen die jetzt hier!”
Es lachte keiner, aber ich hatte zumindest die Aufmerksamkeit. Was ich von mir hörte war das wohl leidenschaftlichste und “bekennendste” Plädoyer der letzten Jahre für Emotionen im Berufsleben, auch und sogar am Verhandlungstisch. Die letzten Monate kamen mir vor wie eine extra boshafte Tour durch einige Unternehmen dieses Landes, in denen es immer und immer und immer wieder hieß: Keine Emotionen!
Nur zur Betonung: Ich gehöre nicht zu denen, die sagen, dass man sich “lieben” muss, wenn man zusammen arbeitet. Im Gegenteil, meine Beobachtung ist, wenn die Menschen ein Stück die persönliche Distanz wahren, dass sie dann sehr viel respektvoller miteinander umgehen. Der Umkehrschluss kommt hier leider zur Geltung, denn kaum ist die persönliche Schiene eine “engere”, tun sich Vorgesetzte ihren Mitarbeitern ggü. schwer, haben Kollegen Angst, ein anderes Teammitglied zu kritisieren.
2 Schuhe sind ein Paar!
* Bleiben Sie sachlich.
* Konstruktiv bleiben!
* Wir wollen uns nicht heiraten.
* Gefühle gehören nicht ins Büro.
* Immer diese Befindlichkeiten!
* Ich habe Angst um meinen Job.
* Ich muss das Projekt hier gut über die Bühne bekommen, sonst ist der Kunde unzufrieden.
* Wenn diese Verhandlung schief geht, wird das Unternehmen Insolvenz anmelden und ich kann meinen Kredit für das Haus nicht mehr zahlen.
* Meine Frau ist mit dem 2. Kind schwanger, wie soll ich uns ernähren?
Sachlichkeit und Emotionen sind *zunächst* nicht zu trennen, wann akzeptieren wir das? Es ist egal, wo wir uns gerade befinden, im Büro, im Stau, bei der Nachbarin oder im Kindergarten. Wir “wissen”, dass es Situationen gibt, in denen wir darüber nachdenken sollten, was und wie wir es sagen, aber dann gehen sie mit uns durch, die Pferde, die ungeliebten, genannt auch Gefühle.
Emotionen und Sachlichkeit sind sehr wohl zu trennen, zumindest unterschiedlich zu betrachten, wenn wir es endlich schaffen, diese “Pferde” wahrzunehmen und sie zu akzeptieren. Nicht weniger. Zunächst auch nicht mehr.
Schlimmer noch: Je mehr wir versuchen, unsere Emotionen zu unterdrücken, desto präsenter und gegenwärtiger sind sie.
Wir sagen uns “Nein, ich werde hier keine Befindlichkeiten auf den Tisch packen, das gehört nicht in diese Situation, ich bin schließlich Profi.”
Ich behaupte: Wir sind dann Profi, wenn wir anerkennen, dass wir nun mal diese 2 Schuhe tragen: Sachlichkeit und Emotion. Wir sind dann Profi, wenn wir lernen, für uns zu sorgen, in den Situationen, in denen wir vermuten, dass Emotionen schaden.
Profis sind übrigens Menschen!
Und Menschen stehen wir immer gegenüber: Im Büro, im Stau, bei der Nachbarin, im Kindergarten .. und eben auch, wenn wir in den Spiegel sehen!
Hü oder hott?
Wie kommt es, dass wir in Akquisegesprächen uns der Emotionen unseres Gegenübers bedienen und sie (aus-) nutzen, während wir in Krisen- und Konfliktsituationen Gefühle ausschalten wollen?
Die Mutter aller Fragen lautet also: Was machen wir mit den Emotionen in diesen unangenehmen Gesprächen? Mit den eigenen und den der anderen Menschen? Nehmen wir die Füße in die Hand? Kopf in den Sand stecken? Stehen bleiben, aber weg sehen?
Blöd, dass diese Dinger uns aber auch so verfolgen, ganz gleich wo wir uns gerade aufhalten. Akzeptieren Sie das. Ganz gleich, in welcher Rolle wir gerade sind: Gefühle sind da. Punkt!
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